Die Wendungen der Straße im Voraus ahnen – bewegte Bilder im Netz

Dienstag, 1. Juli 2008 um 16:44 Uhr

„Wenn sich die Flugzeugindustrie innerhalb der letzten 25 Jahre ebenso rasant entwickelt hätte wie die Computerindustrie, könnte eine Boeing 767 heute in nur 20 Minuten die Erde umrunden – bei einem Treibstoffverbrauch von nicht einmal 20 Litern. Und dieses Superflugzeug wäre für nur 1.500 Dollar zu haben.”

Mit diesen verblüffenden Berechnungen zweier US-Wissenschaftler eröffnet die Moderatorin Bianca Bauer-Stadler den Workshop „Bewegte Bilder im Netz” – Lokal-TV zwischen Streaming und Online-Portalen. Dieser Kalkulation fügt sie noch ein Zitat von Bill Gates hinzu: „In der Software-Branche muss man die Wendungen der Straße im Voraus ahnen.”

Die rasante Veränderung im und durch das Medium Internet bedingt auch den Fokus der fünf Referenten des Workshops: Die Fähigkeit, die Wendungen dieser Entwicklung vorauszusehen ist das große gemeinsame Ziel. Allerdings verfolgen sie dabei verschiedene Ansätze:

Ulrich Gehrhardt von münchen.tv ist der Meinung, während die Printmedien das Internet verschlafen hätten, habe das Lokalfernsehen gute Chancen mit hohen Standards den Takt vorzugeben. Hierbei sei eine permanente Auseinandersetzung mit dem Internet jedoch unbedingt notwendig. „Das Fernsehen mit festen Sendezeiten, wie wir es kennen” betont Gehrhardt „kann man gerade den jüngeren Zuschauern heute nicht mehr zumuten. Es muss jederzeit abrufbar sein.”

Thomas Gerlach von nordbayern.de ist es ein Anliegen, herauszustellen, dass das Ziel seiner Internetseite keinesfalls eine Konkurrenz zum Lokalfernsehen sei - weder in der Qualität oder Quantität (seine Website bietet semi-Professionelle, mit einfachsten Mitteln produzierte lokale Videoclips von etwa einer Minute Länge), noch im Kostenbereich. Es gebe also genug Platz für alle Ansätze im Internet. Die Zukunft sieht er in der Kooperation von Fernsehen und Print: Online-Videos als Begleitung und Ergänzung zur Print-Berichterstattung, cross-medial und vernetzt.

Hans Kuchenreuther von TV.Berlin stellte die langfristigen wirtschaftlichen Chancen durch das Internet heraus. Auch für Werbekunden sei die Individualität des Internetangebots sowie die starke Nutzung von Unterhaltungsangeboten und die daraus resultierende Verbreitung auf Internetforen interessant.

Ein stand-alone Projekt ohne TV- oder Print-Hintergrund stellte Stefan Tschandl mit der Website salzburg24.at vor. Auch er sieht das Erfolgsrezept in lokaler Prägung und einer billigen Video-Berichterstattung, die zwar keine Fernsehqualität, dafür aber extreme Schnelligkeit bieten kann.

„Lokal ist Trend” lautet auch das Credo von Klaus Ebert (Axel Springer Digital TV). Er ist überzeugt davon, dass das Mediennutzungsverhalten der User die Anbieter zu einem cross-medialen Arbeiten zwingen wird.

Interview mit der Moderatorin des Workshops Bianca Bauer-Stadler:

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

(Das Interview wurde von afk tv geführt)


2 Kommentare

  1. bin schon gespannt auf die Podcast-Mitschnitte der Workshops.

  2. Wir werden versuchen, den Workshop morgen als Podcast-Mitschnitt anbieten zu können. Falls wir es morgen zeitlich nicht mehr schaffen, dann aber sicher ab Donnerstag.