“Glokalisierung” — Lokalradio zwischen Heimat und www.Heimat als junger Trend mit Zukunft

Mittwoch, 2. Juli 2008 um 10:42 Uhr

60% der Deutschen möchten mehr Regionalität. Mit diesem Ergebnis einer Forsa-Studie eröffnet Dr. Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut Kelkheim seinen Referat zur Frage, ob das Lokale und Regionale in einer globalisierten Welt noch eine Zukunft hat. Wenzel betonte, dass gerade in einer globalisierten Welt ein neues Heimatgefühl an Bedeutung gewinne. Wie jeder große Trend löse auch die Globalisierung einen Gegentrend aus, der im allgemeinen als „Glokalisierung“ beschrieben würde. Dieser Trend erfasse zunehmend auch junge Menschen unter 30 Jahren. Beim Zukunftsinstitut geht man mittlerweile davon aus, dass Lokalität und Verankerung in der Heimat für bis zu 30 Millionen Menschen wichtig ist. Für den Zukunftsforscher steht fest: „Heimat hat schon lange ihr Lederhosen-Image verloren und ist ein junger Trend mit Zukunft.“
Das konnte auch Keri Jones von „Radio Scilly“ bestätigen. Er macht auf den „Scilly Islands“, einer Gruppe von 140 Inseln, drei Schiffstunden von Cornwall entfernt, Radio. Für die 1600 Bewohner der Insel macht er ein Programm das zwischen 7:00 Uhr und 10:00 Uhr moderiert ist. Wenn man in fragt wie hoch sein Höreranteil sei, kann er stolz verkünden: 100%. Die bekommt aber auch er nicht dadurch, dass er nur auf altbackene Heimatfolklore setzt. „Unser Erfolg kommt daher, dass wir immer und überall präsent sind. Ich hole mir jeden Abend die Lokalnachrichten für den nächsten Morgen aus dem Pub nebenan.“ Es seien vor allem die lokalen Inhalte, die sein Radio von allen anderen Medienangeboten unterscheiden würde, die es mittlerweile auch auf den abgelegenen Inseln gebe. Deshalb gilt für ihn auch heute noch der alte Slogan „Content is King“.
Klaus Seeger, Programmchef bei „Radio 8“ in Ansbach, betonte die Herausforderungen, die der Lokaljournalismus an die Radiostationen stellt. „Wenn wir als lokales Radio, den Namen eines Dorfes falsch aussprechen, steht am nächsten Morgen das ganze Dorf bei uns im Sende-Studio.“ Das passiert großen Stationen nicht. Für diesen Druck fühle er sich aber immer dann entschädigt, wenn er merke, wie dankbar die Hörer in seiner Region seien, wenn sich endlich jemand ihrer Themen annehme.