Komplementär statt kannibalisieren: Wie www und UKW zusammen funktionieren

Montag, 7. Juli 2008 um 17:44 Uhr

Die Studie „Online Radio Perspektiven“, die Prof. Dr. Klaus Goldhammer vorstellt, verspricht goldene Zeiten für Internet-Radios.
Der aktuelle Stand der Dinge, so Goldhammer, ist, dass es „keinen landesweiten UKW-Sender gibt, der sein Programm nicht ins Internet streamt“. Hier könne man also von einer „Vollversorgung“ sprechen. Dass Internet Radio ein stetig wachsender Markt ist, darüber sind sich alle Diskutanten der Runde einig. Wer den Wettbewerb nicht mitmacht, wird zurückbleiben. Das steht fest. Doch wird das Internet-Radio den UKW Sender künftig ersetzten? Werden wir in Zukunft den Rechner hochfahren, um Radio zu hören und nicht mehr an unserem Radiogerät die richtige Frequenz unseres Lieblingssenders suchen?

Trotz zunehmender Reichweiten und Verweildauer bei Onlineradios (Goldhammer prognostiziert bis 2012 rund 13 Millionen Onlinenutzer), trotz sinkenden Streaming-Kosten für Nutzer und Anbieter (auch wenn „kostenloses“ Streaming noch nicht vollständig realisiert ist, zeigt sich darin dennoch die Tendenz für die Zukunft) und trotz rasanten Wachstums der Online-Werbeeinnahmen (nach Goldhammers Vorhersage können die Werbeeinnahmen für Internet-Angebote bis zum Jahr 2012 bis max. 38 Millionen Euro ansteigen), wird das Internetradio die UKW-Angebote nicht vollständig ersetzten (können).

Wie Carola Gierse am Beispiel von Radio NRJ zeigt, können Online und UKW gebündelt zusammen für den Erfolg einer Marke eingesetzt werden. Radio und Web ergänzen und tragen sich dabei als komplementäre Plattformen gegenseitig. Der vielgefürchtete „Kanibalisierungseffekt“, so Gierse, blieb bei Energy aus.

Welche Chancen für neue Ideen die Entwicklung im Bereich des Webradios mit sich bringt, zeigt Bernhard Bahners. Er hat mit dem Projekt radio.de eine Plattform für Radiosender entwickelt, die ihnen ermöglicht, in der weiten Onlinewelt auffindbar zu sein. radio.de versteht sich außerdem als Service für User, indem es alle Vorteile des Webradios verbindet, so Bahners: Einfachheit (mit einem klick zum stream), Vielfalt („Das Radio mit über 1000 Sendern“), Persönliches (für jeden Geschmack die richtige Musik) und Community (über facebook „einfach hören … mit Freunden“). Auch Bahners sieht, dass „Radio vor einem großem Umbruch steht“. Plattformen und Marken aufzubauen ist für ihn der Weg für UKW-Sender in eine erfolgreiche Online-Zukunft.

Hans Dieter Hillmoth fasst zusammen, welcher Gedanke alle Radiomacher vereint: „Wir suchen ja alle nach der Zukunft für Radio“. Durch das Internet, so Hillmoth, könne Radio alles bringen, Audio, Text und Video. Dem ansteigenden Wettbewerb im Online-Bereich, da stimmt Hillmoth seinen Vorrednern zu, müsse man sich stellen. Und obwohl auch Hillmoth das Internet als Ergänzung zu UKW sieht, hebt er die Bedeutung der UKW-Anbieter hervor. Denn 65-70% der Webnutzer, so der Geschäftsführer der DIGITAL 5.1, kämen aus dem Dunstkreis des UKW-Angebots. Dieses würde demnach seine Leitfunktion behalten.

Auch Wolfgang Struber von Radio Arabella in Wien glaubt an ein erfolgreiches Zusammenspiel von World Wide Web und UKW. So würde Arabella Wien durch die Online-Auftritte arabella.at, herzflimmern.at und arabella-music.at unterstützt. Das Ziel, so Struber, sei es, das Sendermarketing auszubauen, neue Reichweiten zu erschließen und so die Marke zu verbreiten.