Mojos - Bürojos und Quattromediale Journalisten

Donnerstag, 3. Juli 2008 um 12:37 Uhr

Das Universum der neuen rasenden Reporter
Wer vorher beim Wort „Mojo” an Blues-Songs von Muddy Waters dachte, ist spätestens nach dem Workshop „Mojos, Stadtreporter, Mitmachradio – Neue Wege der Berichterstattung” unter der Moderation von Johannes Götze eines Besseren belehrt worden: Mojos, das sind die neuen mobilen Lokal-Journalisten – die „rasenden Reporter” der Zukunft. Ausgestattet mit Handy, Laptop, Kamera und Aufnahmegerät sind sie als schnellste Berichterstatter als erste vor Ort und können per Internet oder Satellit innerhalb von Sekundenbruchteilen Bilder, Videos und Informationen übermitteln.

Ditti Brook von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur bildet deshalb in einem neuen Studiengang: „quattromediale Journalisten” aus. Durch die verschiedenen Module TV, Radio, Web Production, Event und Public Relations werden die Studenten mit der nötigen Polyvalenz ausgestattet, die heute von Journalisten gefordert wird.

Diese Fähigkeiten bringen auch die Mojos von Astrid Neururer mit. Sie leitet die Vorarlberger Online-Redaktion www.vol.at. Ihre Mojos brausen mit Minicoopern als mobilen Büros durch Voralberg und liefern Content, der entweder vom „Bürojo” fertiggestellt und im Internet hochgeladen wird oder als live-stream direkt online verfügbar ist. Später werden Bilder oder O-Töne auch cross-medial für Print und Radio weiterverwertet. Der grosse Ehrgeiz ist die Einhaltung der 3-Minuten Regel: Breaking News sind garantiert innerhalb von 3 Minuten online gestellt. Das Konzept geht auf: Mit 70% Reichweite ist die Website in ganz Vorarlberg am erfolgreichsten. Auf der Videoseite können User auch selbst Videos hochladen, denn „was auf youtube funktioniert, kann auch auf einer lokalen Website funktionieren”.
Genauso schnell und mobil wie die Vorarlberger Mojos sind die Stadtreporter von Radio Graz, die mit dem Satellitensmart „Babe” in der Stadt unterwegs sind und stündlich von einem anderen Ort aus über ein anderes Ereignis berichten. Minuten später werden die Beiträge auch als Podcast ins Internet gestellt. Dr. Martin Zimper ist aber nicht nur für die schnelle Berichterstattung in Graz verantwortlich: Darüber hinaus leitet er den Studiengang CAST der Zürcher Hochschule der Künste. Die Studenten lernen dort das Geschichtenerzählen: zuerst das journalistische Geheimnis-Enthüllen, für das es der Neugier des Reporters bedarf, später das Fiktionale erzählen - etwa einen Thriller in 3-Minuten-Episoden für das Handy (beziehungsweise i-phone). Als schnellstes Medium ist es für Zimper das Personal Device der Zukunft. Radio muss deshalb durch das Wort mehr bieten als der Musikmix vom i-pod: lokale Geschichten von lokalen Menschen. „Die Website” vermutet Zimper „wächst als zweites Medium an das Radio heran”.
Wie gut Radio und Internet als Symbiose funktionieren, zeigt auch der Ansatz von Wolfram Wessels und seinem SWR Doku Blog. Angemeldete User, meist aus der Hörkunst- und Autorenszene, können auf der Website O-Töne hoch- und runterladen, auf ein großes Archiv zurückgreifen und und O-Töne zu „Features” kombinieren, so dass ein O-Ton durch verschiedene Kontexte immer wieder neu interpretiert werden kann. Die entstanden Features werden dann wiederum einmal monatlich in der Radiosendung „Mehrspur” reflektiert.

Audiomitschnitt des Workshops


2 Kommentare

  1. Martin Bauer

    Wo sind die Podcasts?

  2. Die Audio-Mitschnitte sind auf der Workshop-Seite verfügbar.