Wer schläft, hört kein Radio

Dienstag, 1. Juli 2008 um 16:18 Uhr

Wochenend’ und Sonnenschein und abertausende von Möglichkeiten, die schönsten Tage der Woche zu verbringen – Wer hört da noch Radio: Vier Experten diskutieren

Was machen die Hörer an ihren freien Tagen? Und was können Radiosender tun, um auch am Wochenende ihre Hörer durch den Tag zu begleiten und sie dazu bringen, auch am Montagmorgen wieder mit der Morningshow aufzustehen.
Vor allem am Sonntag ist es besonders schwer, das Radioprogramm zu gestalten. Das weiß Dr. Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen, der sich mit dem Freizeitverhalten der Menschen beschäftigt. Denn an diesem Tag heißt es bei vielen Menschen erst einmal ausschlafen und alles tun, außer zu arbeiten. Dies nennt man Freizeit. Denn Freizeit ist „alles, was man tut, ohne es tun zu müssen“.

Wolfgang Werres von TNS infratest in München weiß, welch schweres Parkett der Sonntag für die Radiomacher ist. Er zeigt die Hörerpotentiale am Wochenende am Beispiel von Bayern und weiß, dass am Sonntag zum Beispiel mehr geschlafen wird – und wer schläft, hört kein Radio. Außerdem fehle am Sonntag das hohe Potential, das Radiohören während der Arbeit hat. Die Radiosender müssen sich, das zeigt Werres, auf eine andere Radionutzung und auch eine andere Zielgruppe einstellen. So würden junge Hörer eher nachmittags hören, während die Morgenstunden den Älteren gehört. Sich auf diese einzustellen rät auch Dr. Reinhard, der auf die Wichtigkeit der demographischen Entwicklung hinweist.

Auch Gerlinde Jänicke kennt die Wochenendplanung ihrer Hörer genau, denn bei Call-Inn-Shows fragt die Moderatorin oft nach diesen: „Was machst du denn heute noch?“ – „Ach – nichts“, bekommt sie dann oft als Antwort. Doch sie weiß, der Hörer informiert sich trotzdem gerne über die Veranstaltungen und Events in der Stadt – nur falls man doch was machen möchte. Darum müsse man trotzdem Inhalte vorbereiten. Man müsse eben versuchen auch beim verschlafensten Hörer im Gedächtnis zu bleiben und eben daran arbeiten, die besseren Ideen als andere Sender zu haben, sich weiter entwickeln und wissen – „die Show wird gehört“.

Auf Inhalte im Wochenendprogramm setzt auch Mischa Salzmann von Radio Bamberg und Radio 1 in Coburg: „Man muss ins Programm investieren, aber an der richtigen Stelle“, sagt er. So wird z.B. in Coburg das Thema Familie mit einer Kindersendung verwirklicht, in Bamberg Hörer in den Urlaub geschickt – das komme gut an. „Man soll machen, was man kann – wenn man’s gut macht, hat es auch einen Platz im Lokalradio.“ Mischa Salzmann weiß, dass das Wochenende schon am Freitag beginnt, und wenn man dieses Gefühl mitnimmt, dann kann man auch am Wochenende erfolgreich Radio machen.

Audiomitschnitt des Workshops