Aktion Schülerreporter

Interviews mit den beiden Schülerreporterinnen Alexandra Haderlein und Jennifer Hertlein

Alexandra Haderlein

Alexandra Haderlein
Eine der diesjährigen Schülerreporterinnen ist Alexandra Haderlein. Die junge Nürnbergerin hat, obwohl sie gerade einmal 20 Jahre alt ist, schon viel Erfahrung in den Medien gesammelt. Sie hat nicht nur für Zeitungen geschrieben, sondern auch für den Evangelischen Pressedienst, Radio Camillo und für AFKmax “Funkenflug” Radiobeiträge gemacht. Angefangen hat sie - wie viele zukünftige Journalisten - bei der Schülerzeitung.

Alexandra, du hast 5 Jahre lang die die Schülerzeitung “Standpoint” bei euch am “Sigmund Schuckert” Gymnasium geleitet. Warum hat dich die Arbeit bei der Schülerzeitung so gereizt?
Dabei war ich sogar schon in der 6. Klasse. Ab der 8. Klasse habe ich dann die Leitung unserer Schülerzeitung übernommen. Ich habe es immer spannend gefunden, dass man bei einer Schülerzeitung auch die Chance hat, etwas in seiner Schule zu verändern und seine Meinung sagen kann. Außerdem kann man auch mal hinter die Kulissen der Schule schauen, und bekommt Sachen mit, von denen man sonst nichts wüsste.

Was kann man denn bei einer Schülerzeitung lernen, was für einen späteren Beruf in den Medien wichtig ist?
Viel. In einer Schülerzeitung macht eigentlich jeder alles. Also habe ich nicht nur gelernt, wie man Artikel schreibt, sondern auch wie man fotografiert oder einen Artikel layoutet. Man lernt aber auch wirtschaftliche Sachen, wenn man zum Beispiel Werbepartner für die Zeitung sucht.
Außerdem, und das finde ich sehr wichtig für zukünftige Journalisten, habe ich gelernt unter Zeitdruck zu arbeiten und viele verschiedene Dinge gleichzeitig hinzukriegen. Als Leiterin der Schülerzeitung habe ich auch mitgekriegt, wie schwierig es ist, viele verschiedene Meinungen unter einen Hut zu bringen und zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen.

Obwohl du erst 20 Jahre alt bist, hast du schon sehr viel gemacht. Wie wichtig ist es, dass man schon früh anfängt, journalistisch zu arbeiten?
Ich habe schon gehofft, dass es ein Vorteil ist, wenn man sich für ein Journalistik-Studium bewirbt. Aber tatsächlich interessieren sich die meisten Unis, an denen es Journalistenkurse gibt, nur für die Abiturnote und ziemlich wenig für die journalistische Arbeit, die man bisher geleistet hat. Ich hoffe aber schon, dass mir meine Erfahrung bei den praktischen Arbeiten im Studium hilft.

Wo wirst du denn jetzt studieren?
Ich habe mich an der Fachhochschule Ansbach für den Studiengang Journalismus beworben. Das Gute dort ist, dass man Ressort-Journalismus studieren kann, das heißt man lernt nicht nur allgemein wie Journalismus funktioniert, sondern kann sich auch auf bestimmte Fachgebiete spezialisieren. Ich interessiere mich besonders für die Kombination Politik, Soziologie und Geschichte.

Was würdest du jemandem raten, der vielleicht mal in den Medien arbeiten will?
Man sollte sich schon gut überlegen, wo man seine ersten Praktika macht. Gerade die renommiertesten und bekanntesten Zeitungen oder Radios müssen nicht immer die besten sein. Arbeite Lieber bei was kleinem Guten, wo sich die Leute mit dir beschäftigen, als in einem großen Laden mit dicken fetten Auflagen, wo sich keiner um einen kümmert. Ich habe bei kleinen Zeitungen und Radios auf jeden Fall immer viel mehr gelernt.

Was erwartest du dir denn von deiner Arbeit als Schülerreporterin bei den Lokalrundfunktagen?
Vor allem ist es eine Chance mal bei den Lokalrundfunktagen dabei zu sein. Ich hoffe natürlich den großen Radiomachern mal über die Schulter schauen zu können und dabei einen Einblick in professionelle Radiowelt zu kriegen.

Jennifer Hertlein

Jennifer Hertlein ist erst 16 Jahre alt und eine weitere Schülerreporterin auf den diesjährigen Lokalrundfunktagen. Bereits in der sechsten Klasse hat sie die Schülerzeitung für sich entdeckt, die sie von der 8.-10. Klasse als Chefredakteurin geleitet hat. Mittlerweile schreibt die Elftklässlerin für schekker und fluter und ist Chefredakteurin des Mitgliedsmagazins der Jungen Presse Bayern.

Was hat dich dazu bewogen bei deiner Schülerzeitung einzusteigen?

Eigentlich war ich schon immer vom Schreiben fasziniert und hab schon als kleines Mädchen hin und wieder Kurzgeschichten verfasst. In der 6. Klasse brachte mich letztendlich mein Deutschlehrer Herr Hammer auf die Idee, doch mal bei der Schülerzeitung „vorbeizuschauen“. Aus diesem „vorbeischauen“ wurde dann ein „dabei bleiben, beim Journalismus-Job“.

Wie bewertest du in der Rückschau deine zweijährige Arbeit als Chefredakteurin?

Meine Arbeit als Chefredakteurin war eine sehr tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es hat mich sehr viel weiter gebracht – egal ob beim Artikelschreiben, Organisieren oder meiner Persönlichkeitsentwicklung. Und außerdem hat es mir unheimlich viel Spaß gemacht, zusammen mit den anderen Redakteuren für unsere Schülerzeitung zu arbeiten, auch wenn dabei schon mal endlose Stunden drauf gingen. Daher bin ich auch im Moment sehr glücklich wieder als eine der Chefredakteure im Junge Presse Bayern Magazin mitwirken zu können – ich liebe diese Arbeit halt!

Wie findest du die Themen für deine Artikel?

Artikelthemen finden ist gar nicht so schwer, wie es immer klingt. Eigentlich muss man nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und ein gewisser Grad an Allgemeinwissen ist wohl auch nötig. Die besten Einfälle habe ich tatsächlich meistens sehr spontan: ich erinnere mich an Etwas und füge es in einen neuen Kontext ein – und schon entsteht ein ganz neuer individueller Artikel mit neuen Ideen und neuen Ansätzen. Es ist wichtig, immer wieder eigene neue Aspekte mit in einen Text einfließen zu lassen, die sonst noch keiner erwähnt hat. Immerhin will man seinen Lesern keinen Artikel vorsetzen, dessen Aussage sie eh schon kennen.

Wie sehr geht die Schülerzeitung auf Befindlichkeiten an der Schule ein?

Bei uns an der Schule war die Themenvielfalt unserer Schülerzeitung sehr ausgewogen. Wir hatten sehr wohl schulische Themen, wie das G8 oder eine neue Pausenregelung, die einmal kurzfristig eingeführt wurde, aber auch sehr viele Themen, die unter die Rubrik „Gott und die Welt“ gepasst und eigentlich in jedem beliebigen Jugendmagazin hätten erscheinen können. Als Chefredaktion haben wir uns oft darum bemüht, globale Themen auf die Schule herunter zu brechen. Ein einfaches Beispiel: Bei der Einführung des Handy- und Datenträgerverbots an bayerischen Schulen hatten wir sowohl ein Interview mit dem damaligen CDU-Generalsekretär Markus Söder. Aber zum anderen eben auch ein Gespräch mit unserem Direktor sowie Kommentare einiger Schüler. Auf diese Weise kann man verschiedene Themen gut auf das Leitbild Schule zusammen führen.

Wie wichtig findest du es neben der Schule praktische journalistische Erfahrungen zu sammeln?

Für mich ist es unheimlich wichtig, neben der Schule journalistische Erfahrungen zu sammeln, da ich später auf jeden Fall diesen Weg in den Journalismus weiter gehen möchte. Und gerade für einen Journalisten ist nichts wichtiger, als praktische Erfahrungen im recherchieren, schreiben, interviewen – und eben allem was dazu gehört – zu haben. Wenn man das erst beim Studium oder gar noch später lernt, ist es meiner Meinung nach schon fast zu spät – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Ich finde selbst, dass ich mich von Artikel zu Artikel weiterentwickel. Man lernt in diesem „Job“ nie aus und daher sollte man auch früh mit dem „Lernen“ beginnen. Viele Freunde und „Kollegen“ von mir, die in die gleiche Richtung gehen, sehen das sicherlich genauso.

Du machst nebenbei einiges. Bleibt da noch Zeit für die Schule?

Da bleibt auf jeden Fall noch Zeit für die Schule und natürlich auch noch für Freizeit. Solange eine gute Grundorganisation vorhanden ist, kriegt man das alles ohne Probleme unter einen Hut. Klar ist es vielleicht zu Klausurenzeiten mal stressiger als sonst, aber da muss man durch. Oder sich auch mal selber bremsen und einen Termin um eine Woche verschieben. Aber wenn man das alles wirklich schaffen will, schafft man es auch!

Was möchtest du später mal werden?

Einfache Frage, auf der einen Seite: Journalistin natürlich! Schwierige Frage, auf der anderen Seite: denn „Journalist“ ist ja keine geschützte Berufsbezeichnung – daher können sich Jungjournalisten wie ich ebenfalls schon Journalisten nennen. Wo ich nach dem Abitur und Studium genau landen werde, kann ich noch nicht sagen – aber die Richtung Medien ist denke ich mal klar. Und vom Rest lass ich mich einfach überraschen. Wäre ja auch langweilig, wenn man schon alles im Voraus bis ins kleinste Detail planen würde. Vor allem bei einem solch chancenreichen Beruf.

Was glaubst du, wie realistisch dein Bild von deinem Traumjob ist?

„Traumjob“, das ist so eine Sache. Ja, Schreiben und Journalismus ist schon mein Traumjob, aber ich denke nicht, dass ich irgendwelche falschen Illusionen davon habe. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, später wirklich als etablierter Journalist Fuß zu fassen. Und ich durfte mir auch schon oft genug von erfahrenen Journalisten mit einem Wehrmutstropfen anhören, dass es wohl einer der stressigsten Jobs überhaupt ist. Aber sie meinten bisher trotzdem alle schmunzelnd, dass sie diesen Beruf trotzdem jederzeit wieder genauso ergreifen würden, weil sie ihn einfach lieben. Ich denke, da wird es mir irgendwann mal ähnlich gehen – und ich weiß durch meine bisherigen Erfahrungen schon ein wenig, wie nervenaufreibend es manchmal sein kann. Trotzdem: die schönen Momente überwiegen!

Was möchtest du mit deinem Job später bewirken?

Ja, das Bewirken. Ich denke, diejenigen aus meinem Freundeskreis, die sich ebenfalls im Berufsfeld „Nachwuchsjournalisten“ befinden, stimmen mir zu, wenn ich sage, dass wir alle irgendwie kleine Weltverbesserer sind. Es gibt immer Ideen, neue Wege die man gehen kann. Mir persönlich ist wichtig, mit meinen Artikeln zu zeigen, dass man etwas bewirken kann – aber nicht durch die Artikel, sondern durch die Taten jedes Einzelnen. Ein gutes Beispiel ist der Klimawandel und seine Folgen, über den ich erst berichtet habe: Während in Europa gerade debattiert wird, was alles getan werden könnte, wurde in Abu Dhabi soeben das Projekt Masdar-City in die Welt gerufen – das soll die erste CO2 freie Stadt der Welt werden, basierend auf regenerativen Energien und neuen Innovationen. Gerade den Leuten in unserer Gesellschaft muss klar werden, dass Worte allein nicht nützen. Ich versuche das, wenn möglich, in meine Artikel und auch Artikelthemen mit einfließen zu lassen. Allerdings will ich auch da realistisch bleiben: Meistens bewirkt man nie so viel, wie man es sich erhofft. Aber immerhin ist es vielleicht ein Anfang …

Was erwartest du dir von deiner Arbeit als Schülerreporterin bei den Lokalrundfunktagen?

Von meiner Arbeit als Schülerreporterin bei den Lokalrundfunktagen erhoffe ich mir in erster Linie neue Erfahrungen. Ich finde es spannend, mich immer wieder mit anderen Themen zu beschäftigen, neue Leute kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen. Gerade im „Rundfunkbereich“ hatte ich in Vergangenheit noch kaum die Möglichkeit, „reinzuschnuppern“ und ich denke dafür sind die Lokalrundfunktage prima geeignet. Außerdem: ich kann dort journalistisch arbeiten – und das mache ich doch immer gerne!